Geschichte


Die Kamptalbahn – seit 1889 unterwegs

Lange vor der Eröffnung der heute bestehenden Kamptalbahn mit 16. Juli 1889 war der Bau einer Eisenbahn über die Stadt Horn im Gespräch. Auch die Errichtung der heutigen Franz-Josefs-Bahn durch das Kamptal wurde in Erwägung gezogen, die hohen Kosten hatten lange den Bau dieser Bahn verhindert. Vor allem die vielen Brücken und Einschnitte waren besonders kostenintensiv. Eben diese Bahnbauten hätten Ende der 90er-Jahre fast die Einstellung der Kamptalbahn bewirkt. Die Österreichischen Bundesbahnen reduzierten ab den 70er-Jahren die Investitionen in die Infrastruktur im Kamptal.

Der Zustand der Bahnbrücken verschlechterte sich dadurch seit 1987 stetig. Diesel-lokomotiven durften nur mit 10 km/h über die fünf 1888 gebauten Bogenbrücken fahren, für die modernen und leichteren 5047 gab es eine Beschränkung von 50 km/h. Mit 2. Juni 1996 wurde die bestehende Ausnahmegenehmigung für die Triebfahrzeuge der Reihe 2043 und 2143 wegen Achslastüberschreitung aufgehoben. Somit war fast ausschließlich der Einsatz von Triebwagen der Baureihe 5047 und 5147 möglich.

Im Jahr 1998 einigte sich das Land Niederösterreich und die für den Schienenverkehr in NÖ zuständige Niederösterreichische Verkehrsorganisation (NÖVOG) mit den ÖBB, sich mit 20 Millionen Schilling an den Gesamtbaukosten von 100 Millionen Schilling zu beteiligen, wenn drei der fünf Brücken ihr bisheriges Aussehen behielten. Im Herbst 1999 stand fest, dass die Brücken bei Stiefern und Plank 2 nach der heutigen Technik und in Stahlbogenform neu gebaut, die Brücke Plank 1 (hinter dem Friedhof) und Buch-berg hingegen durch Schnellfahrhilfsbrücken ersetzt würden. Als Kriterium für die Ausführung der Bücken stand an oberster Stelle ihre Verträglichkeit mit dem Landschaftsbild. Die fünfte Brücke bei Rosenburg wurde durch Stahlträger an der Unterseite der Brücke, die die Hauptlast der Brücke tragen, verstärkt. Zwischen 1999 und 2004 fanden jährlich mehrere Streckensperren im Kamptal statt, bei denen der gesamte Oberbau, alle Brücken und die Sicherungsanlagen erneuert wurden.

Durch das verheerende Hochwasser im August 2002 kam es zur Zerstörung vieler Bahnkilometer. Mit 16. August 2002 begann der Wiederaufbau der Kamptalbahn nach dem Hochwasser, und bereits am 29. September 2002 rollten wieder Züge durch das Kamptal. Der durch das Hochwasser entstandene Gesamtschaden verursachte Kosten in der Höhe von circa 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

Trotz der Wiederaufnahme des Betriebes blieb das Hochwasser aber nicht ohne Folgen für die Kamptalbahn: Die Österreichischen Bundesbahnen stellten den Güter-verkehr zwischen Horn und Gars-Thunau ein. Nachdem 1998 bereits die Güterabfertigung in Plank am Kamp aufgegeben worden war, verkehren somit seit Fahrplanwechsel im Dezember 2002 nur mehr an den beiden Enden der Kamptalbahn Güterzüge. Als Folge der Wirschaftskrise wurde Anfang April 2009 der Güterverkehr durch Rail Cargo Austria zwischen Langenlois und Hadersdorf am Kamp aufgegeben, somit verbleibt nur noch der Bahnhof Horn als letzter mit regelmäßigem Frachtaufkommen.

Der Bahnhof Gars-Thunau wurde im Jahre 2004 mit einem Mittelbahnsteig ausgestattet, die Gleisanlagen wurden auf zwei Durchgangsgleise und ein aus Richtung Horn befahrbares Ladegleis reduziert.

Starkes Güterverkehrsaufkommen gab es im Kamptal während der Sperre der Franz-Josefs-Bahn im Sommer 2004 und 2008.

In den letzten Jahren verkehren auf dieser Strecke wieder vermehrt Sonderzüge. Seit 2006 bietet der Österreichische Club für Diesellokgeschichte (ÖCD), der eine Werkstättenanlange im Bahnhof Etsdorf-Strass betreibt, zwischen Juni und September an Sonn- und Feiertagen Sonderzüge zwischen Hadersdorf und Sigmundsherberg an mit historischen Garnituren an.

Gute Fahrt mit der Kamptalbahn!

Tipp: „Die Kamptalbahn“ im Sutton Verlag erschienen

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Quellen

Rupert Öhlknecht, 110 Jahre Kamptalbahn (Horn 1999) S. 15-27.
Gilbert Weisbier, Kamptalbahn ist gesichert, alle Brücken werden saniert. In: Kurier (23. August 1996) S. 15.
Ernst Kabelka, Kamptalbrücken gerettet. In: Schienenverkehr aktuell (1/99, Jänner 1999) S. 17.
Hanns Haas, Ein neuer Kamp. Zum geschichtlichen und aktuellen Verlauf bei Rosenburg am Kamp. Teil 1. In: Rosenburg – Mold aktuell (10/2002) S. 15-18.