NÖN: 17 Bahnen in NÖ droht das „Aus“ – auch Kamptalbahn betroffen

Die ÖBB wollen nach 620 Schienen- Kilometern zum Jahreswechsel jetzt neuerlich rund 260 Kilometer in NÖ verkaufen. Das Land ziert sich.


Geht es nach den ÖBB, soll das gut frequentierte Bahn-Kernnetz weiter kräftig ausgebaut werden. Im Gegenzug sollen aber alle „nicht systemadäquaten“ schwer defizitären Bahnen in Randlagen verkauft oder zugesperrt werden.

Das geht aus dem „Zielnetz 2025+“-Konzept der ÖBB hervor, das nach knapp fünf Jahren Arbeit im September dieses Jahres finalisiert wurde. So sollen bundesweit 706 Streckenkilometer abgegeben werden. 263 Kilometer davon – also mehr als ein Drittel – liegen in NÖ (Infobox).

„Das soll in den nächsten Jahren passieren – spätestens jedenfalls bis 2025“, sagt ÖBB-Sprecher Herbert Ofner zur geplanten Erreichung der Zielnetz-Vorgabe. Sollte man für die insgesamt 17 betroffenen Bahnlinien in NÖ keinen neuen Betreiber finden, würden sie zugesperrt.

Dass Käufer nicht gerade Schlange stehen, liegt auf der Hand. Erst in zwei Fällen – Paasdorf-Mistelbach und Freiland-Markt St. Aegyd – steckt man derzeit in Verhandlung. Erstere soll von der Gruppe Straße der Landesregierung wegen des dortigen Baus einer Umfahrungsstraße übernommen werden. Zweitere könnte von einem regionalen Trägerverein zur Aufrechterhaltung des Güterverkehrs aufgefangen werden.

Land NÖ will keine weiteren  Strecken von ÖBB kaufen

Das Land NÖ, das ja erst zum Jahreswechsel 28 großteils stillgelegte Nebenbahnen von den ÖBB gekauft hat, winkt jedenfalls ab. „Wir wollen keine weiteren Strecken einfach so übernehmen – die ÖBB können sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen“, heißt es aus dem Büro von NÖ-Verkehrslandesrat Karl Wilfing (VP). Nachsatz: „Es sei denn, dass wir vom Bund dafür auch das gleiche Budget bekommen wie die ÖBB.“

Was die betroffenen Strecken im Personenverkehr angehe, sei zumindest bis 2019 eine Einstellung auszuschließen, heißt es aus dem Büro des Landesrates. Grund sei ein Verkehrsdienste-vertrag mit den ÖBB, der im November unterschrieben werden solle. Allein die Aufrechterhaltung des Personenverkehrs auf der Strecke Pernitz-Gutenstein wäre hier noch strittig.

Rückendeckung beim Vorgehen bei den Nebenbahnen reklamieren die ÖBB aus einem aktuellen Bericht des Rechnungshofs. Dieser stellte fest, dass diese Strecken überproportional hohe Kosten verursachen würden. Zur erfolgten Abgabe der 28 Strecken an das Land kommt aber Kritik der Prüfinstitution, da es „keine qualifizierten Grundlagen zur Beurteilung der Angemessenheit des Kaufpreises“ gegeben habe.

Den Sparstift setzen die ÖBB übrigens auch bei den Bahnhöfen an. In NÖ wird heuer etwa der Bahnhof Melk zur Haltestelle degradiert. Auch Unter Purkersdorf soll wegen zu schwacher Nachfrage rückgebaut werden. Weitere Redimensionierungen in den nächsten Jahren sollen folgen, so die ÖBB.

Quelle: www.noen.at